Fachartikel

Die Zukunft der Antriebe ist elektrisch – und mit Guss
von Gerd Krause, Düsseldorf

Wie sieht die Zukunft des Motorenbaus aus und welches Potenzial hat die Gießtechnik? Die Zukunft der Antriebe ist elektrisch, daran ließen die Experten der 9. VDI-Tagung Gießtechnik im Motorenbau keinen Zweifel. Mit dem Auslaufen der Verbrennungsmotoren kommen mittelfristig auf die Motorengießer große Herausforderungen zu – mit der neuen Elektromobilität aber auch neue Chancen.

Ganz realistisch und nüchtern betrachtet bleiben Verbrennungsmotoren in den kommenden Jahren noch die beliebteste Antriebsart. (Foto: Bosch)

Mit „Konzepte für E-Antriebe und deren Relevanz für die Gießereitechnik“ überschrieb Prof.-Dr.-Ing. Hermann Rottengruber von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg seinen Vortrag. „Der Technologiewechsel weg vom Verbrennungsmotor hin zu elektrifizierten Antrieben wird von vielen Seiten derzeit massiv propagiert“, wie Rottengruber feststellt. Der Professor muss beobachten, dass der Diesel-Abgasskandal der vergangenen Jahre in Kombination mit den weltweit strenger werdenden gesetzlichen Vorschriften zur Schadstoff- und CO2-Minimierung derzeit für Unsicherheit in der Automobilbranche sorgt. Mit der Emissions- und Immissionsdiskussion der letzten Monate ist zu den gesetzlich bereits beschlossenen CO2-Minderungszielen auch noch die politische Forderung nach einem Verkaufsverbot von konventionellen verbrennungsmotorischen Antrieben für die Zeit nach 2030 getreten. Ob sich die teils kontrovers diskutierten Mobilitätsszenarien überhaupt umsetzen lassen, sei jedoch noch völlig offen.

Bis heute sind Ottomotoren und insbesondere in Europa Dieselmotoren die beliebtesten Antriebsvarianten, wofür der Professor eine einfache Erklärung hat: Autos mit Verbrennungsmotoren sind verglichen mit E-Fahrzeugen nicht nur preiswerter, sie haben auch eine deutlich größere Reichweite. Doch auch für Rottengruber steht außer Zweifel, dass sich der Pkw-Markt in den kommenden Jahren massiv verändern wird. „Die elektrifizierten Fahrzeuge werden deutlich an Marktanteilen gewinnen und das nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit“, ist sich der Professor sicher. Mit Beginn des kommenden Jahrzehnts würden sowohl die Herstellkosten als auch die Kosten der E-Mobilität über die Fahrzeuglebensdauer konkurrenzfähig zu den Kosten von Benzin- und Dieselfahrzeugen sein. Zudem werde zur Erfüllung der CO2-Ziele und von lokalen „Zero-Emission“-Vorgaben ein höherer Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) zwingend erforderlich sein. Dennoch würden Verbrennungsmotoren auf der Langstrecke und im Bereich der Heavy-Duty-Motoren ‒ also bei Großmotoren für Nutzfahrzeuge, Off-Highway, Marineeinsatz und stationär ‒als Antrieb bestimmend bleiben, ist sich Rottengruber sicher.

Global betrachtet können die Marktanteile elektrifizierter Fahrzeuge ohnehin nicht auf 100 % steigen, wie Rottengruber unterstreicht. Die weltweite elektrische Lade-Infrastruktur, insbesondere in Schwellenländern und in Flächenstaaten, lasse sich in den nächsten Jahrzehnten nicht in dem Maße bereitstellen, dass ein vollständiger Wechsel zum batterieelektrischen Fahrzeug (BEV) vollzogen werden könnte. Auch wird es nach Ansicht Rottengrubers weltweit nicht möglich sein, innerhalb der kommenden Jahrzehnte die Stromproduktion auf 100% regenerativ erzeugten und damit CO2-neutralen Strom umzustellen. „Daher werden die sogenannten Hybridfahrzeuge (Plug-In-Hybride und 48 Volt-Mild-Hybride) sicherlich noch auf nicht abschätzbare Zeit über Verbrennungsmotoren verfügen“, ist sich der Motorenexperte sicher.

 

Download des Gesamtbeitrages

pdf-Datei aus "GIESSEREI" Heft 4/2017 Seiten 108-115
© Giesserei-Verlag GmbH Düsseldorf
Die Datei ist ausschließlich zur persönlichen Nutzung bestimmt, das Einstellen ins Internet und jegliche andere Art der Verbreitung, insbesondere eine Nutzung zu Werbezwecken, ist nicht gestattet.

 

Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie, Redaktion kug.bdguss.de 2017 ®