Fachartikel

Globalisierung auf Schwäbisch
von Robert Piterek, Düsseldorf

60 Jahre nach der Gründung von Föhl ist weniger der Blick zurück interessant, als vielmehr der Blick nach vorn: Die Zink- und Kunststoffgießer aus Rudersberg bei Stuttgart stellen sich mit raffinierten Innovationen und hochproduktiven Verfahren für die Zukunft auf und bauen dabei auch auf den Wachstumsmarkt China.

Im Jahr 1958 befeuert in Deutschland das Wirtschaftswunder die Entwicklung und das Druckgießverfahren ist noch eine vergleichsweise neue Technologie: Adolf Föhl, damals Werkzeugmacher beim Druckgießanlagenhersteller Oskar Frech, erkennt das Potenzial des Fertigungsverfahrens und nutzt seine Berufskenntnisse für den Aufbau einer eigenen Firma – der Adolf Föhl GmbH + Co KG. Aus einer ersten Kunststoff-Spritzgießanlage wird schnell ein ansehnlicher Maschinenpark, in dem Zinkdruckgießanlagen bald die Hauptrolle spielen. Durch die Ehe von Adolf Föhls Schwester mit Oskar Frech entsteht zur gleichen Zeit eine fruchtbare Partnerschaft zwischen Technologieanwender und -anbieter, die bis in die Gegenwart reicht.

Der Geschäftsführende Gesellschafter von Föhl Dr. Frank Kirkorowicz im Druckgusswerk Michelau. (FOTO: ANDREAS BEDNARECK)

60 Jahre nach den Anfängen in den späten 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts feiert Föhl ein rundes Jubiläum. Das schwäbische Gießereiunternehmen ist heute eine florierende Firmengruppe mit 107 Millionen Euro Umsatz und fast 700 Mitarbeitern in fünf Werken in Deutschland und China. Wie früher geht es weiterhin darum, Potenziale zu erkennen und zu nutzen. Denn die Gießer aus Schwaben entwerfen derzeit das Fundament ihres Unternehmens für die Zukunft. Auf dem Programm für die kommenden Jahre stehen die Markteinführung neuentwickelter Technologien in Deutschland und China, die Erweiterung des Werks in Michelau, das schon heute als „modernste Druckgießerei Europas“ gilt, die Zusammenlegung wichtiger Prozesse, die weitere Arbeit an der Etablierung einer Unternehmenskultur und die Professionalisierung von Weiterbildung und Bildung.

Dr. Frank Kirkorowicz prägt seit Mitte der 1990er-Jahre die Firmenentwicklung. An seiner Seite wird die Geschäftsführung im technischen Bereich von Ulrich Schwab und im kaufmännischen von Boris Langer gestärkt. Der in Heidelberg ausgebildete Mediziner Kirkorowicz, Schwiegerenkel des Firmengründers, hat das Unternehmen in den letzten Jahrzehnten durch Höhen und Tiefen gesteuert und mit dem Aufbau eines chinesischen Werks in Taicang bei Shanghai zu einem mittelständischen Global Player gemacht. Mit Erfolg: die Personalzahlen verdoppelten sich, der Umsatz ist heute mit über 100 Mio. Euro fünfmal höher als 1996, dem Jahr seines Firmeneintritts. „Als ich bei Föhl anfing, habe ich mir vorgenommen, das Unternehmen so aufzubauen, dass es sich schnell an veränderte Bedingungen anpassen kann“, erzählt der ehemalige Unfallchirurg, der an der renommierten St. Gallener Business School das Rüstzeug für seine heutige Aufgabe erhielt. Zu Föhls Anpassungsfähigkeit gehört für ihn einerseits eine funktionierende Unternehmenskultur unter dem Motto „Wertschöpfung durch Wertschätzung“. „Wir sehen den Menschen ganzheitlich, er muss sich wohl fühlen und hier entfalten können, dann ruft er die Leistung ab, die wir brauchen“, so Kirkorowicz – eine Überzeugung, die er aus seiner Mediziner-Vergangenheit ableitet. Um auch technologisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben, baut der Vater von drei Töchtern andererseits auf eine zukunftsfähige Innovationspolitik.


www.foehl.de

 

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pdf-Datei aus "GIESSEREI" Heft 1/2018 Seiten 82-86
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