Fachartikel

25 Jahre duktile Gussrammpfähle
von Jerôme Coulon und Thomas Müller, Hall, Österreich

Durch Technologietransfer (Lizenzvereinbarung) zwischen den Firmen Tiroler Röhren- und Metallwerke AG, Hall, Österreich, und AB Gustavsberg, Vårgårda, Schweden, im Jahr 1986 kam der duktile Pfahl nach Österreich und wurde dadurch als vielseitiges Gründungskonzept bekannt, das für Zuverlässigkeit und Schnelligkeit steht. Eine Erfolgsgeschichte begann. Fünf Millionen Laufmeter wurden in 25 Jahren produziert und fanden weltweit Verwendung. Waren am Anfang dieser Entwicklung im Bereich der Rammtechnik noch Skepsis und Unverständnis die Wegbegleiter, so ist das System heute in ganz Europa nicht mehr wegzudenken.

Pfahlgründung für die Wohnresidenz „Akaziensteig" in Klingnau, Kanton Argau, Schweiz.
Bild: Pfahlgründung für die Wohnresidenz „Akaziensteig" in Klingnau, Kanton Argau, Schweiz. Foto: Duktus

Duktiles Gusseisen war und ist der Schlüssel zu diesem Erfolg. Der in den frühen 1950er Jahren industrialisierte Werkstoff bietet gleichzeitig alles, was ein Rammpfahlsystem braucht: Duktilität, Schlagfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit. Dazu kommt noch eine hervorragende Gießbarkeit. Die konische Steckmuffen-Verbindung als wichtigstes Verbindungselement wird zusammen mit dem Rohrschaft in einem Guss hergestellt, was eine enorme Erleichterung für die Baustelle darstellt. Die produzierten fünf Meter langen, einfach zu handhabenden Pfahlschüsse können ohne Schweißarbeit und Spezialwerkzeug direkt auf der Baustelle rasch verbunden werden und ermöglichen variable Pfahllängen.

Der Gussrammpfahl besitzt gegenüber Stahlbeton und Stahl einen entscheidenden Materialvorteil, den die Duktus-Gruppe in den letzten Jahren weiter ausgebaut hat. Durch speziell moduliertes Gusseisen wurden die Duktilität, Schlagfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit für den Gussrammpfahl optimiert. Das herausragende Alleinstellungsmerkmal ist die Steckmuffen-Verbindung „Plug & Drive“. Damit wurde ein weiterer Schritt in Sachen Qualität getan.

In Zeiten rasant steigender Energiekosten zeigt der Gussrammpfahl noch eine andere, nicht mit dem Lastabtrag zusammenhängende interessante Einsatzmöglichkeit – als Energiepfahl. Immer mehr Verbraucher setzen auf Gewinnung von Erdwärme durch Wärmepumpen und damit auf Unabhängigkeit von Öl und Gas. Zur Gewinnung von Erdwärme muss ein Medium dem Boden Wärme entziehen. Hierzu muss das Medium über eine möglichst große Oberfläche tief in den Boden eindringen und wieder zurückgebracht werden. Für diese Aufgabe ist der duktile Pfahl mit der hohen Wärmeleitfähigkeit des Gusseisens prädestiniert. In dieser Anwendung steht der duktile Pfahl noch am Anfang einer zukunftsweisenden Technologie, weil sich die angestrebten CO2-Reduzierungsziele künftig nur mit zunehmendem Einsatz regenerativer Energien im Bereich der Gebäudeheizung erreichen lassen werden.


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