Fachartikel

Der Käfer des Elektrozeitalters
VON ROBERT PITEREK, DÜSSELDORF

Das Rennen um die Zukunft der Mobilität ist eröffnet: Mit dem Marktstart des Elektroautos ID.3 stellt sich der Volkswagenkonzern in diesem Monat dem Wettbewerb – und mit ihm die Leichtmetallgießerei am Volkswagen Group Components-Standort in Kassel, die im September zeitgleich ihr 60. Jubiläum feiert.

Der ID.3 kommt in diesem Monat auf den Markt. In seinem 204 PS starken E-Motor stecken zahlreiche gegossene Gehäuse. Foto: VW

Die einen reden vom Zugpferd der Elektromobilität, die anderen vom Käfer des Elektrozeitalters. Mit dem in diesem Monat erstmals frei verkäuflichen Elektroauto ID.3 des Volkswagenkonzerns werden hohe Erwartungen verbunden: Zum einen soll der Stromer der Elektromobilität hierzulande und weltweit Aufwind verschaffen, zum anderen einen möglichen Siegeszug von Tesla aufhalten. Der kalifornische E-Autobauer will mit dem neuen Modell Y, produziert in der neuen deutschen Gigafactory, ab kommendem Jahr den Markt in Deutschland und Europa aufrollen. Apropos Käfer des Elektrozeitalters: Volkswagen-Chef Herbert Diess ist Anfang August mit seiner Tochter Caro in einem ID.3 bis zum Gardasee in Italien gefahren. Da drängen sich Bilder von Käferkolonnen auf, die in den 1960er-Jahren über die Alpenpässe nach Italien strömten. Die PR-Maschinerie für den neuen Elektromobilitäts- Hoffnungsträger ist offenbar angelaufen. Er wolle beweisen, dass man mit einem E-Auto in den Urlaub fahren kann, postete der Konzern-Chef auf LinkedIn.

Doch zurück zur Ausgangslage der beiden großen Kontrahenten bei der E-Mobilität: Der ID.3, der zurzeit von den Bändern im Volkswagen-Werk in Zwickau rollt und nach Abzug der Förderung in Deutschland rd. 30 000 Euro kostet, hat 204 PS, ist 160 km/h schnell und kommt mit seinem 58 kWh-Akku 420 Kilometer weit. Später soll ein rund 20 000 Euro teures Modell mit kleinerem Akku und rund 330 Kilometern Reichweite hinzukommen. Das Basismodell des Modells Y, das Tesla in Deutschland ab 2021 bauen will und jetzt schon im kalifornischen Fremont fertigt, ist dagegen mit 193 km/h und 390 Kilometer Reichweite für rund 34 500 Euro zu haben. Sowohl der Tesla- als auch der Volkswagen-Stromer haben noch Modelle mit größerer Reichweite im Angebot oder arbeiten daran. Sie liegt bei maximal rund 550 Kilometern. Die Startposition im Rennen um die mobile Zukunft ist also einigermaßen ausgeglichen.

Daher ist der Volkswagenkonzern auch keineswegs bereit, sich von dem kalifornischen Fahrzeug- und Raumfahrtunternehmer Elon Musk bei der Mobilität der Zukunft die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Seine Ingenieure und Planer haben neben den bestehenden Verbrenner-Baukastensystemen in den letzten Jahren mit dem Modularen E-Mobilitätsbaukasten (MEB) ein effizientes und kostensparendes Fertigungssystem für E-Autos entwickelt. Dieser Zauberkasten soll der E-Mobilität „Made in Germany“ zum Durchbruch verhelfen.

„Es ist eine mutige Entscheidung von Elon Musk, sich in den E-mobilen Markt in Deutschland einzumischen, zudem belebt es das Geschäft. Da muss sich Volkswagen als größter Autobauer weltweit nicht verstecken“, ist Mirco Wöllenstein, Gießereileiter im Volkswagen-Werk Kassel, überzeugt. Er leitet die Fertigung in der größten Leichtmetallgießerei im Konzern und in Europa. Weitere bedeutende gießereitechnologische Standorte von Volkswagen sind Poznan und Hannover. Die Gussteilfertigung an den drei Standorten ist ein wichtiger Baustein im E-mobilen Baukastensystem des Wolfsburger Autobauers.

www.volkswagen.de


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pdf-Datei aus "GIESSEREI" Heft 9/2020 Seiten 64-68
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