Fachartikel

Der Phönix aus der Schmelze
VON GERD KRAUSE, DÜSSELDORF

Metallische Gebrauchsgüter sind die Weltrekordhalter der Kreislaufwirtschaft. Durch Umschmelzen werden Stahl- und Aluminiumschrotte zu hochwertigen Sekundärrohstoffen. Das Recycling entlastet die Umwelt und schont die natürlichen Rohstoffressourcen. Der ressourcen- und energieeffiziente Einsatz von Schrott in Gießereien und Stahlwerken ist ein wesentliches Thema im metallurgischen Anlagenbau. Trends und Entwicklungen sind auf den Ausstellerständen von GIFA und METEC, THERMPROCESS und NEWCAST vom 25. bis 29. Juni 2019 auf dem Düsseldorfer Messegelände zu besichtigen.

Einsatz von Recyclingmaterial bei der Gusseisenproduktion von Düker in Laufach. Es werden u. a. Späne, Hackschrotte und sogenannte Rollmöpse, aufgerolltes Weißblech aus der Büchsenproduktion, als Gattierungsmaterial verwendet. Foto: AUDI AG

Auf den Schmelzofen folgt der Neubeginn. Die Waschmaschine und das Auto, das Fahrrad und die Getränkedose, die Schiene und die Brücke der stillgelegten Eisenbahnlinie – sie alle erfahren nach ihrem Lebensende als Gebrauchsgüter ihre Wiederauferstehung. Die Feuergeburt erfolgt sortengerecht getrennt nach Stahl und Aluminium. Die Schmelzen der Metallrecyclingbetriebe, der Stahlwerke, Aluminiumhütten und Gießereien verwandeln Schrott in einen hochwertigen Sekundärrohstoff.

Dank ihrer Multi-Recycling-Eigenschaften sind Metalle, vorwiegend Stahl- und Aluminium, die Enabler Nr.1 einer ökologischen Kreislaufwirtschaft. Nach welcher Lebensdauer ausgediente Stahl- oder Aluminiumprodukte in den Materialkreislauf zurückkehren, ist höchst unterschiedlich. Eine Getränkedose ist kaum mehr als einige Wochen im Umlauf, ein Auto hat manchmal rund 20 Jahre und mehr vor sich. Während eine Stahlbrücke auch nach über einhundert Jahren ihren Dienst tun kann, stehen immer mehr Stahlbetonbrücken bereits nach kaum mehr als 35 Jahren zum Abbruch an. Der aus dem Abbruch gewonnene Betonstahl indes lässt sich vollständig rezyklieren.

Die Wertschöpfungskette der Recyclingindustrie setzt sich aus Sammelsystemen, Rückbaubetrieben, Metallhändlern und Schrottverarbeitern zusammen. „Die Versorgungslage auf den Schrottmärkten ist zufriedenstellend“, sagt Dr. Heinz- Jürgen Büchner, Managing Director Industrials & Automotive bei der IKB Deutsche Industriebank AG. Daran ändert auch der Handelsstreit mit den USA vorläufig nichts. „Auch vor dem Inkrafttreten der Strafzölle auf Stahl und Aluminium lag das Inlandspreisniveau im Stahlmarkt in den USA erheblich über demjenigen im Weltmarkt und auch der EU“, sagt der IKB-Rohstoffexperte. Daher sei davon auszugehen, dass sich Einfuhren trotz eines Aufschlags von 25 % Einfuhrzoll auf Stahl bzw. 10 % auf Aluminium weiter rechnen werden. „Zudem haben die amerikanischen Stahl- und Aluminiumverarbeiter die Preisanhebungen weitgehend an den Endkunden durchgereicht“, wie Büchner ergänzt.

Allerdings habe die Türkei – einer der wichtigsten Abnehmer von amerikanischem Stahlschrott – zuletzt weniger in den USA und mehr in Europa geordert. „Auch China hat etliche Nadelstiche vorgenommen und Schrotteinfuhren extrem lang in den chinesischen Einfuhrhäfen liegen gelassen und bewusst schleppend abgefertigt“, fügt Büchner hinzu.

Auf dem deutschen Markt für Stahl- und Eisenschrott (Fe-Schrott) geht IKB-Fachmann Büchner von einem jahreszeitlich üblichen Anfall von Alt- und Abbruchschrotten aus. „Das Aufkommen an Neuschrotten war zuletzt aufgrund von Produktionsunterbrechungen bei etlichen Automobilproduzenten sowie deren Zulieferern (infolge der Umstellungen auf die neuen Prüfzyklen) etwas geringer, gleichwohl ist die Versorgung der europäischen Stahlproduzenten sowie der Gießereien gesichert“, weiß der IKB-Rohstoff-Experte.

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pdf-Datei aus "GIESSEREI" Heft 2/2019 Seiten 74-77
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