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Die Gießerei als Projektpartner

Die Bonner Gießerei Stolle ist erfolgreich im Sondermaschinenbau tätig – das Angebotsspektrum umfasst nicht nur das Gießen und die Bearbeitung, sondern die komplette Projektierung.

Schmelze Marsch in der Gießerei Stolle in Bonn-Beuel. Für die Fertigung von mehreren tonnenschweren Gussteilen werden an einem Tag 98 Tonnen Graugussschmelze vergossen. Foto: Andreas Bednareck

Es ist Freitagmorgen um kurz nach halb sieben, als in der Gießerei Stolle an der Broichstraße in Bonn-Beuel die letzten Vorbereitungen für den Abguss eines 25 Tonnen schweren Maschinenbetts getroffen werden. Ein stämmiger Mann mit silbernem Schutzanzug und geöffnetem goldenen Blendschutzvisier winkt die am Hallenkran befestigte mannshohe Pfanne langsam an den Eingusstrichter heran. Konzentriert verfolgt er jede Bewegung des gewaltigen Gefäßes, das Gesicht erhellt vom Schein der gleißenden Schmelze. Etwa fünf bis sechs Meter entfernt, am anderen Ende der mit Gewichten beschwerten Gitterstruktur über der Bodenform, spielt sich der gleiche Prozess ab. Am Drehkreuz der Pfannen warten derweil weitere Gießer auf ihren Einsatzbefehl, um die Pfannen zum Abgießen zu kippen. Es folgt eine letzte Messung mit der Temperaturmesslanze – dann ergießt sich die goldglänzende Schmelze funkensprühend in breiten Strahlen an beiden Enden der Form in die Öffnungen. Zwischen den Gewichten steigen kurz Flammen auf, dann erlöschen sie und machen einer Rauchsäule Platz. Mehrere weitere Formen warten noch auf ihren Abguss – 98 Tonnen Graugussschmelze wird der Tageskupolofen mit Obergichtabsaugung heute insgesamt für die Abgüsse bereitstellen.

Schauplatz des eindrucksvollen Schauspiels ist die Gießerei Stolle mit Standorten in Bonn-Bad Godesberg und -Beuel. Sie liefert Teile für den Sondermaschinenbau, die in der Automobilindustrie, dem klassischen Maschinenbau und der Messund Prüftechnik eingesetzt werden. Trotz 120-jähriger Geschichte ist das Unternehmen mit etwa 180 Mitarbeitern/-innen in seiner heutigen Form erst mit der Globalisierung auf die heutige Größe angewachsen. Dieser Ausbau begann mit dem Kauf einer Gießerei in Bonn-Beuel im Jahr 1997, nach fast 100 Jahren überschaubarer Fertigung am Stammsitz in Bonn- Bad Godesberg. „Wir haben das Werk in Beuel im Verlaufe von zehn Jahren massiv ausgebaut und die Belegschaft unserer Firma in dieser Zeit insgesamt verdreifacht. Es wurden Hallen gebaut, zusätzliche Bearbeitungskapazitäten und Montagebereiche geschaffen, weitere Finish-Prozesse an unseren Produkten auf den Weg gebracht und eine den neuen Erfordernissen angepasste Verwaltung aufgebaut,“ erinnert sich Geschäftsführer Martin Stolle an die Anfänge der Expansion.

Robert Piterek, Düsseldorf

www.stolle.net


 
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pdf-Datei aus "GIESSEREI" Heft 4/2019 Seiten 86-90
© BDG, Düsseldorf
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