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Die Zukunft wird anders

Zwei Tage „Gießtechnik im Motorenbau“ zeigten: Die unumschränkte Herrschaft des ölbefeuerten Hubkolbenmotors geht zu Ende. Elektro kommt auf jeden Fall, aber Verbrenner werden noch viele Jahre lang bleiben. Was dies für die Branche bedeutet? Die Gießer können ihre (automobile) Zukunft weniger gut planen, gleichzeitig sehen sie sich mit steigenden Anforderungen seitens der OEMs konfrontiert.

Ein Tagungs-Höhepunkt: Der Vortrag von Jean-Marc Ségaud (BMW) zum Zylinderkopf des neuen M4 (Foto: Martin Vogt)

Ein Glanzpunkt der zweitägigen Tagung war zweifellos der Vortrag von BMW-Mann Jean-Marc Ségaud. Der Abteilungsleiter Technologieentwicklung und -Steuerung in der Gießerei Landshut begeisterte mit seinem Referat. Was am Schwung seines Vortrages, aber natürlich auch dem Thema an sich lag: Ségaud sprach über die Fertigung des Zylinderkopfes seines neuen M4-Motors (Kürzel: S58), dessen konstruktive Auslegung auf mehr als 500 PS (mindestens 170 PS Literleistung) natürlich besonders hohe Ansprüche an eine ausgefeilte Wärmeabfuhr stellt. Dieser Vortrag trieb nochmal jene Begeisterung, jene Emotionalität auf die Spitze, die der vom Verbrenner getriebenen Individualmobilität per se innewohnt.

Möglicherweise hatte dieses Thema auch deswegen eine so positive Resonanz, weil sich natürlich die rund 360 Teilnehmer der 10. Fachtagung „Gießtechnik im Motorenbau“ der allgemeinen gesellschaftlichen Diskussion nicht entziehen konnten – und die hat sich gegen die ölbefeuerte Variante der Individualmobilität gedreht. „Seit 2017 habe ich den Eindruck, wir reden über eine GmbH – eine Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung. Wir haben beschränkte Hoffnung in Politiker, die den Fachleuten zuhören“, hatte Tagungsleiter Götz Hartmann (Magma) gleich mit seinen einführenden Worten ein deutliches und kritisches Statement gegen den Verbrenner-feindlichen Zeitgeist gesetzt.

Und das Motto benannt: Lasst uns doch in aller Ruhe über Fortschritte sprechen, über technische Konzepte, über die Beiträge, die Ingenieure aus der Gießerei eben leisten können in einer Welt und vor allem unter den Bedingungen eines Politikbetriebes, der die Aufgeregtheit bisweilen dem vernünftigen Argument vorzieht. Wobei besonders die Jahre nach 2015 das Auto – insbesondere den Diesel – in Misskredit und in die Defensive gebracht haben. Möglicherweise zu Unrecht?

„Wir sollten den Kopf nicht zu tief hängen“, appellierte Andreas Pfeiffer an das Auditorium. Der Leiter Produktentwicklung Motorensysteme und -Komponenten bei Mahle prognostiziert: „Der Verbrennungsmotor hat eine gute Zukunft. Und eine Aufgabe zur CO2-Reduktion.“ Und auch Markus Köhne, Leiter Grundentwicklung Dieselmotoren bei Volkswagen, bezeichnet den Dieselmotor „als wichtigen Baustein“. Er stellte die neue Diesel-Generation EA 288 EVO vor (Aluminium statt Grauguss beim Kurbelgehäuse). Nebenbei: Köhne sammelte Sympathiepunkte mit seiner Aussage, dass Volkswagen-Dieselmotoren die Grenzwerte „nicht nur auf dem Prüfstand, sondern selbstverständlich auch in allen Fahrzyklen auf der Straße“ einhalten.

Martin Vogt, BDG Düsseldorf


 
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pdf-Datei aus "GIESSEREI" Heft 3/2019 Seiten 18-19
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