Fachartikel

Duktile Gussrohrsysteme: Nachhaltig überlegen
von Ulrich Päßler, Griesheim

Vor etwa 150 Jahren wurde in Europa die städtische Versorgungsinfrastruktur für Gas und Trinkwasser beinahe ausschließlich mit Gussrohren aufgebaut. Ein wesentlicher Teil der heutigen Versorgungsnetze stammt noch aus jener Zeit und ist immer noch voll funktionsfähig. In den Jahren hat sich das Gussrohrsystem entscheidend weiterentwickelt. Die Herstellverfahren haben sich den gestiegenen Anforderungen an Maßhaltigkeit, Wanddickenverminderung und Wirtschaftlichkeit angepasst. Die Verbindungstechnik wurde sicherer und einfacher. Der Siegeszug des Gussrohrs vom damaligen Graugussrohr (Gusseisen mit Lamellengraphit, EN-GJL) bis hin zum modernen duktilen Gussrohr (Gusseisen mit Kugelgraphit, EN-GJS) spiegelt Industriegeschichte wider und zeigt eindrücklich die Qualitäten und die vielen unübersehbaren Vorteile des duktilen Gusseisens, das wie kein anderer Rohrwerkstoff den belegbaren Beweis seiner Langlebigkeit angetreten hat.

Bild: Gussrohre benötigen keine Sandbettung (Foto: FGR/EADIPS)
Bild: Gussrohre benötigen keine Sandbettung (Foto: FGR/EADIPS)

Im Laufe der Jahre haben sich neben dem duktilen Gusswerkstoff eine Reihe anderer Werkstoffe für Rohre entwickelt, die Trink- und Abwasser transportieren, die aber bei näherer Betrachtung keine wesentlichen Vorteile gegenüber dem Traditionswerkstoff vorweisen können. Im Gegenteil: In puncto Zuverlässigkeit, Langlebigkeit, Schadensanfälligkeit und Nachhaltigkeit gibt es derzeit keinen Rohrwerkstoff, der eine höhere Leistungsfähigkeit besitzt als duktiles Gusseisen. Dies gilt für Rohre für Trinkwasser als Leitungsmedium, dessen höchste Qualität und Reinheit gewährleistet sein muss, ebenso wie für Abwasser, das sicher zu den Klär- und Reinigungsanlagen zu transportieren ist. Es gilt gleichermaßen für Formstücke und Armaturen aus duktilem Gusseisen, die durch ihre Zuverlässigkeit den Leitungsbau unterstützen und nachhaltig sicher machen.

Gerade in jüngster Vergangenheit wird seitens einiger Konkurrenzwerkstoffe das Argument eines preislichen Vorteils ins Feld geführt. Ein vermeintlicher Vorteil, der Kommunen und Versorgungsunternehmen in Zeiten knapper Budgets zu kurzfristigen Entscheidungen bewegt. Bei näherem Hinsehen erweist sich das Preisargument jedoch als Trugschluss, weil oftmals mittel- bis langfristige Effekte übersehen werden und dadurch die Verantwortung für kommende Generationen außer Acht gerät.

Wie beispielsweise Untersuchungen zum Kostenvergleich zwischen Kunststoffrohren und Rohren aus duktilem Gusseisen über einen Nutzungszeitraum von 15 Jahren gezeigt haben, überwiegen spätestens ab der Nennweite DN 200 die Vorteile von duktilen Gussrohren ganz deutlich und heben sich bei größeren Nennweiten immer weiter ab. Bei DN 400 kann sich beim Einsatz von duktilen Gussrohren gegenüber Rohren aus Kunststoffen innerhalb dieses Zeitraums ein Kostenvorteil von mehr als   20 % ergeben. Dieser wird unter anderem durch eine höhere Einbauleistung erreicht. Gussrohrleitungen mit ihrer einfach zu handhabenden Verbindungstechnik können schnell und witterungsunabhängig eingebaut werden.

Dipl.-Kfm. Ulrich Päßler, Vorsitzender des Vorstandes der Fachgemeinschaft Gussrohrsysteme (FGR) und European Association for Ductile Iron Pipe Systems (EADIPS), Griesheim


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