Fachartikel

Gussproduktion 2016 – globale Trends
von Heiko Lickfett, Düsseldorf

Bei der traditionellen Jahresanalyse der Weltgussproduktion lohnt als Erstes immer ein Blick zurück, wie sich ein Jahr zuvor der Ausblick gestaltet hatte. Lagen wir in der Trendeinschätzung richtig, haben wir uns eventuell verschätzt oder haben uns Ereignisse, die nicht vorhersehbar waren, einen Strich durch die Prognoserechnung gemacht?

Die weltweite Gussproduktion im Jahr 2016 mit bescheidenen Zuwachsraten. (Grafik: BDG)

Wir waren uns recht sicher, dass die deutsche Gussproduktion das Jahr 2017 mit einem leichten Plus abschließen könnte. Allerdings hatten wir als „Best Case“ ein Szenario vor Augen, welches das Potenzial für eine signifikante Plus-Rate in der Gießerei-Industrie für das Jahr 2017 enthielt. Folgende Argumente hatten wir dabei im Blick: „Die Gießereien machen mit ihren knapp 600 Unternehmen ca. 1 % des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland aus. Zieht eine Kundenbranche deutlicher an als erwartet, kann dies überproportional auf die Gießereien ausstrahlen. Die Signale aus dem Maschinenbau verheißen zwar aktuell (März 2017) lediglich ein Produktionsplus von 1 % (für den Maschinenbau, nicht die Gießereien!), dennoch könnte sich im Jahresverlauf durchaus eine verbesserte Perspektive herausschälen. Dies können Investitionsimpulse aus den USA sein oder Investitionen in Schwellenländer, welche rohstoffbasiert sind.“ Dieses Szenario ist dann auch eingetreten. Im Verlauf des Jahres korrigierte der Maschinenbauverband die Prognose auf 3 % Wachstum. Mit dem entsprechenden Hebel versehen sowie mit einer stabil laufenden Fahrzeugbaukonjunktur ergab sich für die deutschen Eisen- und Stahlgießereien ein Produktionsanstieg von über 6 %. Auch die NE-Metallgießereien konnten noch einmal über 1 % Produktionsplus auf das hohe Niveau 2016 aufsatteln.

Wenden wir uns aber jetzt den globalen Daten 2016 zu, den letztverfügbaren Erhebungen zur weltweiten Gussproduktion. Traditionell veröffentlicht die American Foundry Society (AFS) in ihrer Zeitschrift Modern Casting in den Dezemberausgaben einen Überblick über die Weltgussproduktion, unterschieden sowohl nach Ländern als auch nach Werkstoffen. Für das Jahr 2016 verbuchten die Redakteure von Modern Casting ein Produktionsvolumen von knapp über 104 Mio. t. Dies ist wiederum kein neuer Rekord. Allerdings konnte wenigstens das 2015er Niveau um knapp 300 000 t oder 0,3 % überschritten werden. Das fällt statistisch unter „Meldeungenauigkeit“. Es scheint, dass wir global bei einem Volumen angekommen sind, welches scheinbar nur schwierig zu toppen ist. Allein Verbesserungen der Komponenten führen ja schon bei gleicher Anzahl im Verlauf der Jahre zu einer Tonnageverringerung. Die Schlüsselfrage ist vielmehr, welche Länder konnten sich positiv absetzen, evtl. aus der Rezession herausarbeiten oder welche Nationen mussten Federn lassen und eine Verringerung des Weltmarktanteils hinnehmen? Zudem lohnt ein individueller Blick auf die Detailtabelle, um den Werkstoffwettbewerb zu analysieren. Dieser nimmt immer größeren Raum ein.

Dipl.-Hdl. Heiko Lickfett, Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie BDG, Düsseldorf

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pdf-Datei aus "GIESSEREI" Heft 4/2018 Seiten 116-121
© Giesserei-Verlag GmbH Düsseldorf
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