Fachartikel

Kälte? Kein Problem! Neuer Gusswerkstoff für den Tieftemperatureinsatz
von Vera Jansen, Krefeld

Anstatt auf austenitische setzt man bei der Schmolz + Bickenbach Gussgruppe, Krefeld, für Aufgaben im Tieftemperaturbereich seit neuestem auf martensitische Stähle. Diese Werkstoffe lassen sich ausgezeichnet vergüten und weisen damit auch eine deutlich höhere Streckgrenze (Rp0,2 ≥ 490 N/mm²) auf als die alternativ einzusetzenden austenitischen Stähle. Eine  Eigenschaft, die bei solch extremen Temperaturen von besonderem Vorteil ist.

Der neue Tieftemperaturgusswerkstoff eignet sich auch für den Einsatz in Flüssiggastankern.
Bild: Der neue Tieftemperaturgusswerkstoff eignet sich auch für den Einsatz in Flüssiggastankern. (Foto: Schmolz + Bickenbach)

Der neue Werkstoff ist für alle Bereiche geeignet, in denen mit Temperaturen zwischen -100 und -196 °C gearbeitet wird, und damit z. B. überall dort, wo Kryogene wie Trockeneis oder flüssiger Sauer- und Stickstoff zum Einsatz kommen. Das gilt unter anderem für Luftverflüssigungs- und  -zerlegungsanlagen, in denen Luftkomponenten durch thermische Trennverfahren getrennt werden, um Stickstoff, Sauerstoff, Argon und andere Edelgase in hochreiner Konzentration und in flüssiger Form sowie gasförmig zu gewinnen. Ein weiteres zukunftsträchtiges Einsatzfeld ist darüber hinaus die Erdgasverflüssigung: Hier wird das Erdgas in sogenannten LNG-Terminals auf bis zu -164 °C heruntergekühlt – entsprechend hoch sind auch die Anforderungen an die eingesetzten Komponenten. Ähnliches gilt für die Kaltvermahlung und das kryogene Recycling. Diese Verfahren werden z. B. in der Lebensmittelindustrie und im Bereich der Verbundstoffe genutzt. Ziel ist dabei die Zerkleinerung von Werkstoffen mit geringem Erweichungspunkt. Auch in den Bereichen Bodengefrierung, industrielle Kältetechnik sowie Ölsandgewinnung könnten für diesen Werkstoff noch interessante Potenziale liegen. Das Gleiche gilt für alle Bauteile, die bei tiefen Außentemperaturen eingesetzt werden: ob Pumpen in Alaska oder Off-shore-Anwendungen in der Tiefsee.

Vera Jansen, Schmolz + Bickenbach Gussgruppe, Krefeld


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