Fachartikel

Messing im Druckguss – traditionsreicher Werkstoff unter Hochdruck
von Marco Matthies, Rendsburg

Messinglegierungen finden in vielen Gießverfahren Anwendung, aber die Anwendung im Druckgießverfahren ist dabei eher unbekannt. Aufgrund der hohen Gießtemperaturen bei gleichzeitiger Verwendung von Dauerformen aus Warmarbeitsstahl erscheint der Einsatz von Messinglegierungen als nicht praktikabel und als unwirtschaftlich – doch nur auf den ersten Blick. Die Vorteile der Verarbeitung von Messinglegierungen im Druckgießverfahren liegen in der Möglichkeit der Fertigung von hoch präzisen, endkonturnahen Bauteilen mit hohen Abbildungsgüten, wie beim Druckguss üblich. Zudem lassen sich relativ dünnwandige und komplexe Geometrien abbilden – eine gute Alternative zur konventionellen Herstellung von Komponenten „aus dem Vollen".

Druckgussteile aus Messinglegierungen – Schaltergehäuse und Deckel für Hochseeschiffsanlagen
Bild: links: Druckgussteile aus Messinglegierungen – Schaltergehäuse und Deckel für Hochseeschiffsanlagen (Abmessungen: 100 x 74 x 46 mm, Gewicht: 350 g) und rechts: Schaltgabel (Abmessungen: 140 x 175 x 60 mm, Gewicht: 1150 g) (Foto: Matthies Druckguss)

Beim Schlagwort „Druckguss" wird zu häufig nur von den klassischen Legierungen ausgegangen, es gibt aber durchaus noch weitere. Dies sind Legierungen auf Cu- und Zn-Basis, also Messing- und Sondermessinglegierungen, deren Eignung für das Druckgießverfahren genauso gegeben ist wie für Al- und Zn-Legierungen. Die gute Gießbarkeit bildet die Basis für die Anwendung im Druckgießverfahren und die mechanischen Eigenschaften definieren die Einsatzgebiete. Endkonturnahe und abbildungstreue Gussteile sind das Resultat des Druckgießens und machen die Messinglegierungen somit zu guten Konstruktionswerkstoffen mit guten Festigkeitswerten.

Der Anteil der mechanischen Nachbearbeitung ist deutlich geringer als die Bearbeitung „aus dem Vollen" bei vergleichbaren Werkstoffen. Bei den Sondermessinglegierungen (Tombak) führt die sehr gute Korrosionsbeständigkeit gegenüber Seewasser sogar zu Einsatzgebieten im maritimen bzw. Offshore-Bereich. Oberflächenbehandlungen, um das Material zu konservieren und/oder zu schützen, müssen dann nicht mehr durchgeführt werden. Diese dienen lediglich der optischen Veränderung und sind damit rein optional. Dies ist ein weiterer Aspekt der Wirtschaftlichkeitssteigerung. Die Verarbeitung von Messing- und Sondermessinglegierungen durch Druckgießen verschafft Wettbewerbsvorteile und kann helfen, Kosten zu senken bzw. einzusparen. Bei Neuprojekten sollte diese Betrachtung mit einfließen – eine Substitution von derzeitig eingesetzten Materialien mit Kupfer-Zink-Legierungen sollte deshalb immer geprüft werden.

Dipl.- Wirtsch. Ing. (BA) Marco Matthies, Matthies Druckguss GmbH & Co. KG, Rendsburg

 

Download des Gesamtbeitrages


Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie, Redaktion kug.bdguss.de 2012 ®