Fachartikel

Hinweise für die Angabe von Oberflächengüte bei Gusseisenteilen
von Thorsten Schmidt, Mölln

In konstruktionsrelevanten Internetforen taucht häufig die Frage auf, ob in einer technischen Zeichnung für die Oberflächengüte die Rauheitsangabe Ra oder Rz eingetragen werden muss bzw. welche dieser Angaben zu bevorzugen ist. Für Gusseisenwerkstoffe empfiehlt sich die Vorgabe der mit definierter Schneide zu erzeugenden Oberflächengüte mit Ra-Werten, wie im Folgenden erläutert wird.

Fahrständer- und Genauigkeits-Portalfräsmaschine
Fahrständer- und Genauigkeits-Portalfräsmaschine (Werkbilder Heidenreich & Harbeck AG)

Mit modernen Genauigkeitsfräsmaschinen lassen sich Großgussteile unter bestimmten Randbedingungen mittlerweile mit Ebenheiten um 10 μm/m bearbeiten. Aus wirtschaftlichen Gründen wird dem Fräsen daher zunehmend der Vorzug vor dem Schleifen eingeräumt. Bei den Gusswerkstoffen wird die Güte der bearbeiteten Oberfläche allerdings nicht nur von der Werkzeuggeometrie und den Schnittwerten bestimmt. Während Oberflächentäler beim Schleifprozess gewissermaßen "zugeschmiert" werden, können bei der Zerspanung mit definierter Schneide tiefere Profiltäler dadurch entstehen, dass freigelegte Graphitlamellen bzw. -kugeln beim Schnitt aus der Metallmatrix herausgelöst werden und lokal entsprechende Vertiefungen entstehen. Dieses ist sehr anschaulich auf der Internetseite www.iwf.de/iwf/medien/infothek?Signatur=E+1953 in einem kurzen Videoausschnitt  dargestellt. Die so entstandenen Vertiefungen beeinträchtigen die Bauteilfunktion zwar nicht, doch sie haben maßgeblichen Einfluss auf das Ergebnis bei der Auswertung der größten Höhe des Profils (Rz) nach EN ISO 4287:1998.

Dr.-Ing. Thorsten Schmidt, Heidenreich & Harbeck AG, Mölln

www.huhag.de

Bundesverband der deutschen Gießerei-Industrie, Redaktion kug.bdguss.de 2009®

 

Download des Gesamtbeitrages