Fachartikel

Wo Deutschlands Autobranche steht
VON HEIKO LICKFETT, MARTIN VOGT, DÜSSELDORF

 

In der Diskussion um die Auswirkungen der Themen Klima, CO2 und Energiekosten darf auch der Fahrzeugbau nicht fehlen: Die Branche ist Hauptabnehmer von Gussprodukten, an ihr hängt daher auch die Gießerei-Industrie. Welche Trends lassen sich identifizieren? Wie lief das abgelaufene Jahr 2020? Und wie wird es weitergehen?

Die Automobilbranche hat als Hauptabnehmer von Gussprodukten großen Einfluss auf die Gießerei-Industrie. FOTO: ADOBE STOCK

Natürlich wird das Jahr 2020 in erster Linie als Jahr der Corona-Krise im kollektiven Gedächtnis bleiben. Aber auch als Jahr, das als gewisse Zäsur für die Automobilindustrie angesehen werden kann. Das lässt sich an zwei Punkten festmachen: In der ersten Frühjahrswelle der Coronakrise ging die deutsche Automobilindustrie in den Produktionsstillstand. Verantwortlich dafür war offiziell die Unterbrechung der Lieferketten, auch bedingt durch die Grenzschließungen im EU-Raum. Hinter vorgehaltener Hand kolportiert indes mancher Intimus, die Schließung sei den OEMs nicht so unrecht gekommen

Dann passierte im Herbst 2020 etwas, was man als endgültigen Beleg der Zeitenwende ansehen muss: In ihr Konjunkturpaket hatte die Bundesregierung die Förderung von reinen E-Fahrzeugen sowie Hybridmodellen aufgenommen – und damit Verbrenner-Modelle explizit ausgeschlossen. Was aus dem Bemühen heraus, den CO2-Ausstoß zu reduzieren folgerichtig erscheint und insofern auch unspektakulär, ist im historischen Längsschnit tindes eine Zäsur: Die Bundesrepublikund ihre Automobilindustrie – das war für Jahrzehnte ein Duo, zwischen das kein Blatt passte. Die Erfolgsgeschichte verlief parallel. Deutschland stieg aus den Kriegstrümmern zum Wirtschaftswunderland auf und mit ihm die Autobauer, die sich zu erfolgreichen Exporteuren in die Weltmärkte entwickelten. Und zuverlässig die erforderlichen Gussprodukte nachfragten.

In der Krise 2008/2009 hatte dieses Junktim zwischen Politik und Industrie noch gut funktioniert – die milliardenschwere „Abwrackprämie“ spülte auch Geld in die Kassen der deutschen Autobauer. Jetzt, elf Jahre später, scheint die Beziehung ernsthaft gestört, geradezu zerrüttet vom Dieselskandal, abzulesen im „Nein“ der Politik zur Verbrenner-Förderung. Betont sei, dass sich der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie(BDG) im Rahmen seiner Möglichkeiten – auch im Verbändenetzwerk ArGeZ– für eine neutrale und technologieoffene Förderung eingesetzt hat, die im Sinne der Mitgliedsunternehmen auch das Mittel der Stunde gewesen wäre. Die Politik hat anders entschieden. Der VDA hat natürlich längst erkannt, wie sehr das gesamte Thema in die Defensive geraten ist - und steuert inzwischen erkennbar gegen.

Nachfolgend skizzieren wir die längerfristige Entwicklung sowie den Status quo bei den großen deutschen Herstellern und ordnen in einem weiteren Beitrag die künftige Euro-7-Norm ein. So viel vorab: Die politischen Entscheidungen des laufenden Jahres lösen den Trend weg vom Verbrenner nicht aus, sie verstärken ihn allerdings. Und damit die inhaltliche wie zeitliche Anforderung an den Wandlungsprozessin der deutschen Gießerei-Industrie, die sich auf stetig sinkende Nachfrage ihrer Kunden an Verbrenner-Komponenten einstellen muss. Zudem verlagert die Industrie Entwicklung und Produktion weiterhin ins Ausland.

Heiko Lickfett, Bereichsleiter Wirtschaft, Martin Vogt, Leiter Kommunikation, BDG


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pdf-Datei aus "GIESSEREI" Heft 2/2021Seiten 58-61
© BDG, Düsseldorf
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