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Kiel

Gießereimuseum wieder geöffnet

In Kiel hat das Corona-bedingt längere Zeit geschlossene Gießereimuseum wieder geöffnet. Zunächst ist der Besuch nur für wenige Stunden am Samstagnachmittag möglich, die Besuchszeiten sollen jedoch künftig ausgeweitet werden.

Die Stadt Kiel ist erst seit 2020 für das Gießereimuseum zuständig. Vorher hatte der Gießereiverein 13 Jahre lang die Geschicke des Museums gelenkt. Während Gäste unter Regie des Vereins bei Führungen er fahren konnten, wie schweißtreibend das Handwerk in der Howaldtschen Metallgießerei von 1884 bis 1980 war, können sich Besucher nun alleine umschauen. Informationen erhalten sie durch erklärende Schilder an den Objekten. Eine Waage diente zum Beispiel dazu, den Anteil an speziellen Metallen abzuwiegen, die für die Verbindung verschiedener Stoffe nötig waren. Auf einer Werkbank stehen Holzmodelle. Der Besucher kann lesen, dass jedes Produkt erst einmal als Modell aus Holz gefertigt wurde, denn ein solches brauchten die Arbeiter, um eine Sandform für den Guss herzustellen. Während es an einer alten Werkbank heißt: „Nichts berühren“, können die Besucher an einem anderen Arbeitsplatz selbst aktiv werden. Sie dürfen – jetzt in Corona-Zeiten mit Einmalhandschuhen – Werkzeuge wie Stampfer, Lanzetten oder „Herztruffel“ nutzen, um rötlichen Formsand in einem Gefäß zu bearbeiten. „Der Sand sieht weich aus, ist aber härter als viele denken“, sagt die neue Leiterin Eva-Maria Karpf, Mitarbeiterin im Stadt- und Schifffahrtsmuseum.

Um das Konzept für das Museum zu erstellen und die Vitrinen auszustatten, hat die Kunsthistorikerin Fachliteratur durchgearbeitet und Objekte aus dem Bestand unter die Lupe genommen. Dabei machte sie die eine oder andere Entdeckung: „Mir ist zum Beispiel eine kleine Lohntüte aus den 60er-Jahren mit der Beschriftung 80 Mark in die Hände gefallen“, erzählt sie. „Das ist ein geringer Lohn, der vielleicht einem Werkstudenten zustand“, mutmaßt die Leiterin. Nicht alle Objekte, die mit der alten Gießerei in Zusammenhang stehen, können ausgestellt werden. Einiges lagere im Depot, informiert Karpf. „Wir werden immer einmal wieder wechseln.“ In einem Schrank fand sie eine Ausgabe der in Deutschland verbreiteten türkischen Tageszeitung „Hürriyet“ aus dem Jahr 1977. „Zur letzten Crew der Gießerei gehörten türkische Gastarbeiter“, berichtet Karpf. Im nächsten Jahr möchte die neue Leiterin dieses Thema aufgreifen. Denn dann sind 60 Jahre vergangen, nachdem das „Anwerbeabkommen“ zwischen der Bundesrepublik und der Türkei abgeschlossen wurde.

Bei einem Öffnungstag in der Woche soll es in Zukunft nicht bleiben: Es sei geplant, später noch einen oder zwei Termine pro Woche hinzuzunehmen. „In jeder Woche soll es ein Angebot geben, zum Beispiel eine Führung oder einen Vortrag“, erläutert d i e 5 0 - J ä h r i ge . Auch Filme kann sie sich vorstellen. Karpf wird in ihrer Arbeit von Honorarkräften des Stadtmuseums unterstützt, die in einem kleinen Rahmen auch Gussvorführungen bieten werden. Mitarbeiter des Gießereivereins haben in einem Gussworkshop den Honorarkräften ihr früheres Handwerk nahegebracht. Die Veranstaltungen, die der Verein in diesem Jahr beis te ue r n wo llte, mussten aufgrund der Coronakrise abgesagt werden. Doch für den Herbst plant der Verein noch einen Glockenguss.

Quelle: Kieler Nachrichten
Annette Göder
www.kiel.de


Eva-Maria Karpf ist die neue Leiterin des Industriemuseums Howaldtsche Metallgießerei, das aktuell samstags von 14-18 Uhr geöffnet ist.