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Druckgusstag 2020

Mit Ideenreichtum in die Zukunft

Der Druckgusstag 2020 wartete mit einem abwechslungsreichen und fachlich wertvollen Vortragsprogramm rund um die aktuellen Herausforderungen und Trends im Druckgießen auf. Insbesondere Aussteller der Messe nutzten das Forum, um ihre neuesten Produkte und Entwicklungen explizit vorzustellen und die interessierten Besucher an ihren Messestand einzuladen.

Mit dem nahezu den gesamten Druckgießprozess umfassenden Themenspektrum ist es den Organisatoren vom Verband Deutscher Druckgießereien (VDD) im Bundesverband der Deutschen Gießerei- Industrie (BDG) gelungen, viele interessierte Teilnehmer und Messebesucher anzulocken und den Referenten ein meist großes Publikum zu bescheren. Die folgenden Ausführungen geben einen Überblick. Einzelne Themen, auch weiterer Vortragender, werden in den folgenden Ausgaben vorgestellt.

Den Prozess verstehen, das Ergebnis genau vorhersagen und gegebenenfalls optimieren zu können, ist das Ziel der „Gießerei 4.0“. Digitale Zwillinge sollen die Gießerei möglichst originalgetreu abbilden. Beat Eberle, Bühler AG, stellte beispielsweise smarte CMS-Systeme vor, die die Druckgießzelle oder auch mehrere gleichzeitig, zentral managen. Götz Hartmann, Magma GmbH, erklärte, wie über eine virtuelle Versuchsplanung die tatsächlich relevanten Prozessfaktoren bestimmt werden. So reizvoll auch die digitale Prozessbeherrschung ist, darf nicht vergessen werden, dass das Gießen mit der Schmelze beginnt. So berichtete Rudolf Hillen, StrikoWestofen, über Maßnahmen zur Effizienzsteigerung von Schachtschmelzöfen.

Ein großer Einsatzbereich von Druckgusserzeugnissen sind Strukturbauteile für den Leichtbau und die Elektromobilität. Damit tut sich auch ein weiterer Markt auf. So berichtete Andreas Hennings vom Aufbau einer entsprechenden neuen Produktlinie bei Nemak. Aber auch ganz neue Anwendungsbereiche sind denkbar. Heinz Heberhold, HDO Druckguss und Oberflächentechnik, stellte ein patentiertes Verfahren zum Umgießen von Kunststoffteilen mittels Druckguss als Lösung für wasserführende Teile vor.

Die meisten Druckgusskomponenten stellen hohe Anforderungen an den Prozess, um Maßhaltigkeit und weitestgehende Porenfreiheit zu gewährleisten. Achim Kleidis, Franken Guss, erläuterte hier ein Verfahren zum laminaren, strömungsarmen Druckgießen. Ein weiterer wichtiger Teilfaktor sind die Druckgussformen. Durch eine konturnahe Kühlung, etwa über additiv gefertigte Einsätze, wie sie u.a. von Michael Dinkel, Robert Hoffmann GmbH, präsentiert wurden, kann die Erstarrung zum Beispiel gezielt gelenkt werden. Auch der Sprühprozess trägt zur Optimierung bei. Hier referierte Tim Butler, Lubrolene, über ein wasserfreies Sprühsystem mit einer elektrostatisch geladenen Ölsuspension. Neue Entwicklungen bei den Werkzeugstählen wie sie beispielsweise von Ingolf Schruff, Kind & Co, vorgestellt wurden, stehen darüber hinaus für eine längere Standzeit und höhere Zyklusraten.

Natürlich ist es ebenfalls notwendig, die eingesetzten Legierungen den wachsenden Anforderungen anzupassen bzw. neu zu entwickeln. Stuart Wiesner, Rheinfelden Alloys, berichtete über neueste Entwicklungen von Druckgusslegierungen, bei denen auf eine Wärmebehandlung verzichtet werden kann. In Bereichen wie der Medizintechnik, bei denen Aluminium aufgrund seiner Toxizität nicht einsetzbar ist, aber auch im Struktur-Leichtbau, kommen Magnesium-Druckgusslegierungen zum Einsatz. Ihr Potenzial diskutierten Christoph Schendera, Europäische Forschungsgemeinschaft Magnesium e. V. sowie Andreas Lohmüller, Neue Materialien Fürth GmbH, in ihren Vorträgen.

Hochwertige Produkte verlangen genaueste Qualitätskontrolle. Vermehrt kommen heute 3-D-CT-Untersuchungen zum Einsatz, um auch kleinste Defekte zu detektieren. Bernd Oberdorfer, Österreichisches Gießerei-Institut, stellte zum Beispiel neue Algorithmen zur Automatisierung und Präzision der Ergebnisse vor. Nicht zuletzt soll die Produktion umweltgerecht erfolgen. Effektive Filtersysteme, wie sie Rolf Kurtsiefer, KMA Umwelttechnik, präsentierte oder weiterentwickelte Trennmittel, welche die neue Biozidverordnung erfüllen, sind nur zwei Beispiele.

Eine solide Angebotserstellung spart Arbeit, Zeit und Ärger, warb als letzter Referent Joachim Friedhoff, Formtec Engineering Services, für sein webbasiertes Tool zur Kalkulation von Gießwerkzeugen.


Spannende Vorträge vor teilweise voll besetztem Plenum: Den Druckgusstag nutzten viele Referenten aus, um für sich und ihre Themen zu werben. Die Qualität der Vorträge war durchweg hoch, die Themen vielfältig.