News

BDG

Politik und Autobauer haben verstanden

Der Ruf nach Hilfen für die Zulieferer wird lauter. Während die Interessengemeinschaft ArGeZ aus rund 9000 mittelständischen Zulieferunternehmen vor einigen Tagen eine Erweiterung der Kaufanreize forderte, wird nun nach Gesprächen von Industrie und Politik ein Strukturfonds erwogen, um das Eigenkapital mittelständischer Zulieferer zu stärken. Details sind bisher noch offen. In einem aktuellen Handelsblatt- Artikel wertet der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) es als positives Signal, dass die schwierige Lage der Zulieferer erkannt und Unterstützung zugesichert wurde.

Die Umsätze der mittelständischen Zulieferer seien zu Beginn der Pandemie dramatisch eingebrochen und erholten sich kaum, stellte die ArGeZ die aktuelle Lage in der Zulieferindustrie in einer Pressemitteilung dar. Mit staatlichen Finanzierungshilfen und der Kurzarbeit konnte zwar zum Erhalt dieser Unternehmen beigetragen werden, zugleich sei das Konjunkturpaket ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Die Absatzzahlen in der Automobilindustrie hätten auf Kaufanreize wie die Mehrwertsteuersenkung jedoch nicht entsprechend reagiert.

Die ArGeZ, die u. a. vom Wirtschaftsverband BDG getragen wird, fürchtet nun, dass Mittelständler zunehmend gezwungen sind, Arbeitsplätze zu streichen. Der heutige Handelsblatt-Artikel zeigt, dass diese Befürchtungen berechtigt sind: Bei den größeren Zulieferern wie Continental und ZF Friedrichshafen stehen bereits jetzt zehntausende Stellen auf der Kippe. Auch bei Schaeffler, Bosch und Hella stehen die Zeichen auf Beschäftigungsabbau.

Die Größeren profitieren allerdings auch von der allmählichen Erholung des Automarkts in China und haben zudem noch Reserven, um sich an den Strukturwandel in der Autoindustrie anzupassen. Durch hohen Margendruck der Autohersteller in der Vergangenheit konnten mittelständische Industriebetriebe diese Reserven häufig nicht aufbauen, geschweige denn in den sich abzeichnenden Strukturwandel investieren. Folgen: Abhängigkeit vom Verbrenner und ein begrenztes Produktportfolio. Hinzu kommt aus Angst vor der ungewissen Marktentwicklung bei den Autobauern die Tendenz, Teile selbst zu produzieren, statt Aufträge an Zulieferer herauszugeben.

Auf die gravierenden Folgen für die mittelständische Zulieferwirtschaft ist Wirtschaftsminister Peter Altmaier auch kürzlich im ZDF eingegangen. Er sagte, dass den Unternehmen beim Wandel geholfen werden müsse, schon weil die Arbeitnehmer unverschuldet in diese Situation geraten seien - bedingt durch den weltweiten Wirtschaftsrückgang sowie die gesunkene Autonachfrage.

Beim Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) wurde die Anerkennung der schwierigen Situation der Branche und die Bereitschaft zur Hilfe als positives Signal gewertet: „Politik und Automobilhersteller haben verstanden, dass die zuliefernde, mittelständische Industrie ein wichtiger Know-how-Träger unseres Standorts und der notwendigen Transformation von Mobilität ist.“ Der BDG betonte in diesem Zusammenhang auch die hohe Bedeutung der mittelständischen Industrie für stabile Lieferketten. www.bdguss.de

www.argez.de


Zylinderkurbelgehäuseproduktion im Eisenwerk Brühl. Automobilzulieferer wie die Brühler Eisengießer brauchen Unterstützung beim Strukturwandel.

FOTO: ANDREAS BEDNARECK