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Duktil Guss

„Wir halten so den Betrieb modern“

Die Fürstenwalder Gießerei Duktil engagiert sich seit 20 Jahren für Umweltschutz. Für die Geschäftsführerinnen Marianne und Susanne Gerwin ist das weit mehr als eine Image-Frage.

Die Anfahrt zur Fürstenwalder Gießerei Duktil ist ungewöhnlich. Sie befindet sich in keinem Gewerbegebiet, sondern an einer Straße mit Wohnhäusern. Vorm Werkstor liegt linker Hand eine Kita. Zwischen den Hallen gibt es Rasenflächen und Bäume. Und wer zu Geschäftsführerin Marianne Gerwin will, kommt an einer Kantine mit Freisitz vorbei.

Besucher sehen es der Duktil Guss Fürstenwalde GmbH nicht an, dass sie auf fast 100 Jahre Geschichte zurückblickt. 1923 wurde hier eine Gießerei gegründet. 1995 kaufte der bayrische Unternehmer Engelbert Heinz Hawle den Betrieb und ließ ein komplett neues Werk bauen. Im Zuge des Neubaus führte das Unternehmen auch das europäische Umweltmanagement- System EMAS ein. Seit 20 Jahren arbeitet Duktil Guss danach und ist damit der älteste EMAS-Betrieb in ganz Ostbrandenburg. Dafür erhielt das Unternehmen Mitte Juni eine Urkunde vom regionalen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK).

Gießereien eilt als energieintensive Firmen in Sachen Umweltfreundlichkeit nicht der beste Ruf voraus. „Wir haben uns damals bewusst für EMAS entschieden, auch, weil wir diesem Ruf entgegenwirken wollten“, sagt Geschäftsführerin Marianne Gerwin. „Wir versuchen, ein Umweltmanagement nach unseren Möglichkeiten umzusetzen.“

Das heißt: An den 25 Millionen Kilowattstunden Energie im Jahr für die beiden Mittelfrequenztiegelöfen kann der Betrieb nicht sparen. Wo das Umweltmanagement ansetzt, sind die Prozesse drumherum. Abluft- und Entstaubungsanlagen sind auf dem neuesten Stand. Lärmschutzwände sollen Beeinträchtigungen für die Nachbarn mindern. Rund 80 Prozent des Sandes für die Gießformen wird gereinigt und wieder verwendet. Ein weiteres Beispiel: die Pfannenvorwärmer: Die Gießpfannen müssen vorgewärmt werden, bevor die 1500 Grad Celsius heiße Schmelze eingefüllt wird. Früher wurde das mit einer offenen Flamme gemacht. Heute nutzt die Gießerei eine Vorrichtung, die einem Heizstab ähnlich ist. Sie spart Energie und arbeitet leiser. „Wir haben den Sauerstoff- und Erdgasverbrauch dadurch deutlich senken können. Zugleich verteilt der Porenbrenner die Wärme gleichmäßig und homogen, wodurch im Gegensatz zu den bisher eingesetzten Sauerstoffbrennern das Futter der Pfannen geschont wird“, betont Marianne Gerwins Schwester Susanne, ebenfalls Geschäftsführerin bei Duktil Guss.

Es sind viele Kleinigkeiten, die fortlaufend verbessert werden. Obwohl der Begriff „Kleinigkeiten“ es nicht ganz trifft: „Diese Investitionen kosten Millionen“, sagt Marianne Gerwin. Es wird zum Beispiel regelmäßig in die Entstaubung investiert. Denn Duktil Guss hat sich im Gegensatz zu vielen anderen Gießereien in Deutschland dazu entschieden, die Schleifarbeit vor Ort zu erledigen und sie nicht auszulagern. In eine neue Putzerei mit einer umfangreichen Zu- und Abluftanlage flossen deshalb rund zwei Millionen Euro. „Wir möchten die Schleifarbeit vor Ort haben, weil wir hohe Anforderungen an die Oberflächen haben und eine Endoskopie oder eine zusätzliche Härteprüfung gerne selbst machen möchten“, erklärt Susanne Gerwin. Es geht der Geschäftsführerin dabei aber nicht allein um die Senkung der Staubbelastung in der Umgebung der Gießerei, sondern auch um die Entstaubung im Inneren.

Investitionen werden bald auch in die Erweiterung der Kernmacherei fließen. „Das hat in gewisser Hinsicht auch einen Umwelteffekt, denn wer Kerne nicht hinzukauft, sondern sie selber herstellt, sorgt dafür, dass weniger angeliefert wird und damit weniger Emissionen verursacht werden.“ Bei Duktil Guss soll die Wertschöpfungstiefe insgesamt noch etwas erhöht werden, um noch weitere Dinge vor Ort machen zu können. „In jeder Investition steckt ein Stück Umweltschutz“, ist Susanne Gerwin überzeugt und weist in diesem Zusammenhang auf die Solaranlage auf dem Dach der Gießerei hin.

Ina Matthes, Märkische Oderzeitung, Frankfurt/Oder, und Robert Piterek, Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie, Düsseldorf 


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pdf-Datei aus "GIESSEREI" Heft 10/2019 Seiten 58-60
© BDG, Düsseldorf
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Kran beim Abschlacken an einem der zwei Mittelfrequenztiegelöfen der Gießerei.

Foto: Duktil Guss